+++ Badische Neueste Nachrichten vom Montag, 15. Oktober 2001 +++

LIEDER MIT BOTSCHAFT VERSEHEN

Unter Achim Rheinschmidt Gruppe auf 30 Sänger angewachsen

Wer es nicht besucht hat, hat etwas versäumt. Allerdings hätten gar nicht sehr viel mehr Sängerfreunde am Freitagabend im großen Saal der Stadthalle Platz gehabt, als der junge Chor Salt o Vocale sein Debütkonzert gab. 15 junge Frauen und 13 junge Männer standen da auf der Bühne und präsentierten ein überraschend vielfältiges Programm. Woran mag es wohl liegen, dass sich so viele junge Leute zu einem Chor zusammenschlossen, wo doch im Allgemeinen die Gesangvereine über akuten Mitgliederschund klagen.

Es muss wohl der Name Achim Rheinschmdit sein, der die sangesbegeisterte Jugend in Scharen zu Salt o Vocale trieb. Vor eineinhalb Jahren waren es lediglich vier Frauen und vier Männer, die sich an den beliebten und eigentlich voll ausgebuchten Chorleiter mit der Bitte wandten, mit ihnen zusammen einen Chor zu gründen. 

Achim Rheinschmidt ließ sich durch ihre Stimmen überzeugen und übernahm trotz knapper Zeit die Leitung. Durch Mundpropaganda verbreitete sich diese Nachricht zwischen Eisental und Kuppenheim und im gesamten Murgtal und es stießen immer mehr zum Chor. Ein Jahr lang haben sie zusammen geprobt, zunächst alle zwei Wochen in Gernsbach im Karl-Barth-Haus oder in der evangelischen Freikirche. Je näher der erste Auftritt rückte, desto öfter kamen Sie zusammen. In den letzten Wochen kamen dann noch die Musiker dazu, die schon die Musicalaufführungen von Achim Rheinschmidt begleitet haben. Also Mattias Barth am Keyboard, Gerald Sänger an der Gitarre, Gernot Pfeiffer am Bass und Claus Müller am Schlagzeug, die auch am Freitag das mehr als zweistünige Debütkonzert mit Ihrer professionellen Musik bereicherten.

Ein umfangreiches Repertoire meist zeitgenössischer Unterhaltungsmusik haben sich die Chromitglieder in den vergangen zwölf Monaten erarbeitet. Wobei die Wahl der Stücke allein Achim Rheinschmidt oblag, während die zahlreichen Ideen zur Darbietung, der Repräsentation und der Choreografie von den Chormitgliedern kamen. So wurde nicht nur gesungen und musiziert, sondern auch getanzt auf der kleinen Bühne vor der Stadthallenbühne und passend zur Musik Bilder an eine große Leinwand projiziert.

Dafür zeichnete Chormitglied und Fotografensohn Johannes Hahn verantwortlich. So erschienen bei ihrem ersten Lied "The Cry of the child" die Fotos der allerliebsten Kleinen der Chormitglieder auf der überdimensionalen Leinwand.

Alle Lieder brachten eine Botschaft, sollten vielleicht sogar etwas wie Lebenshilfe sein, wobei allerdings der Text in englischer Sprache etwas hinderlich ist, doch da wollen sie sich noch etwas überlegen. Zum Beispiel eine Art Übersetzung in Bildersprache. Dazu passten die Bilder zum zweiten Song "Love can build a bridge", Liebe kann eine Brücke sein, sehr gut. Da wurden die bekannten Naturwunder, steinerne Brücken aus dem Südwesten der USA, gezeigt. Und zu den "Roots and wings", den Wurzeln und Schwingen, ließen die Kinder Papierflieger gleiten und Drachenflieger schwebten in Großaufnahme über der Landschaft.

Großartige Solisten sind unter den Chormitgliedern, schätzungsweise ein Drittel glänzte durch brillante Solostimmen. Darunter auch der Chorleiter Achim Rheinschmidt

Beglückend war es, den jungen Leuten beim Gesang zuzuschauen, ihre Begeisterung zu spüren, ihre positive Ausstrahlung zu sehen. Sie scheinen beseelt zu sein von der Idee, ihre Botschaft zu verbreiten. Von der Liebe, von den Kämpfen des Lebens, vom gemeinsamen Weg mit dem Partner durch die Höhen und Tiefen des Daseins. Sie singen aus freudigem Herzen, voller Temperament und mit allen Fasern Ihres Seins. Wohl auch das Hauptverdienst von Achim Rheinschmidt, der aus voller Kehle mitsang, mit Händen und Füßen anfeuerte und vor dem Chor regelrecht herumsprang.

Übrigens wurde nicht nur Unterhaltungsmusik unserer Zeit gebracht, ein Lied - "Matona mia Cara" - stammt aus dem 16. Jahrhundert und soll recht frivol sein im Text. Gesungen vom Männerchor allein wurde aber auch ein Lied von Heinrich Heine "Ich halte ihr die Augen zu" und eines von Joseph von Eichendorff, "Abschied".

Das Publikum war verzaubtert und restlos begeistert, es klatschte den Rhythmus mit und spendete reichlich Beifall. Und es "erzwang" sich durch seine Beharrlichkeit noch drei Zugaben. (fie)

  • 2001_Okt._Konzert_Stadthalle_Gernsbach_1
  • 2001_Okt._Konzert_Stadthalle_Gernsbach_2
  • 2001_Okt._Konzert_Stadthalle_Gernsbach_3

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